Blockwoche mit HLSU-Studierenden in Äthiopien

Blockwoche mit HLSU-Studierenden in Äthiopien

Monika Ristova, Junior-Projektleiterin bei HHM Bern und Studentin an der HSLU, hat ihre Komfortzone verlassen. Sie ist für zwei intensive Wochen nach Äthiopien gereist. Im Rahmen eines Blockwochen-Moduls hat sie gemeinsam mit anderen Studierenden eine Solaranlage geplant und installiert. Die Reise nach Afrika war mehr als ein lockerer Erholungstrip. Es war ein Eintauchen in eine andere Welt, in der das Spannungsfeld aus immensen Herausforderungen und gleichzeitigem Potenzial greifbar ist.

So anders als das «schwere Luxusleben»

«Das Modul PV_Help» ist Teil der «Sahay Solar Initiative». Es wird an der HSLU jedes Jahr angeboten. Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen brechen nach Äthiopien auf, um im Rahmen der Initiative eine Blockwoche zu verbringen und Solaranlagen zu konzipieren und zu realisieren. Vor Ort treffen sie auf weitere Studierende aus der Region.

«Ich hatte es mir nie ernsthaft überlegt.» Doch diesmal kam es anders: «Ich hatte mich an einem Anlass am Campus spontan dazu entschlossen, mitzumachen», berichtet Monika. An diesem Modul nehmen jeweils auch Studierende aus anderen Disziplinen wie dem Bauingenieurwesen oder dem Maschinenbau teil. «Wir waren 25 bis 30 Studierende der HSLU, die in diesem Jahr teilnahmen.»

Die Reise ins Unbekannte startete an einem Sonntag mit dem Flug nach Addis Abeba. Die Ziele für Monika und die Mitstudierenden der HSLU und SUPSI waren klar: In der ersten Woche stand den Beteiligten ein intensives Weiterbildungsprogramm bevor; in Woche zwei bauten die Teilnehmenden eine grosse Anlage auf.

«Für mich sollte es ursprünglich eine Exkursion sein, auf die ich mich eingelassen habe. Doch es war anspruchsvoll. Als Planerin fiel es mir zwar leichter, mich durch die Fülle von Unterrichtsstoff zu lesen. Was im Gegensatz zu anderen Teilnehmenden nicht der Fall war. Der Unterrichtsstoff wurde in der Folgewoche auch geprüft.» Trotzdem blieb etwas Zeit, andere beim Lernen zu unterstützen. Denn vor Ort trafen die Studierenden aus der Schweiz auf einheimische Teilnehmende in demselben Kurs. «Diese Kursteilnehmenden haben wohl aus diversen Gründen teilgenommen; entsprechend unterschiedlich waren Motivation und Vorwissen.»

Monika erzählt, dass sie mehr von der Natur sehen wollte und schliesslich viel ins Lernen und in die Unterstützung anderer investiert hat. Sie beschreibt den Campus in Äthiopien, der zwar noch recht neu war, aber eher an eine Mischung aus «Lost Places» und griechischer Säulenhalle erinnerte. Die Gebäude seien völlig unpraktisch konzipiert, entsprechend war auch das Raumklima in den Zimmern: «Es war beispielsweise heiss in den Räumen und wir haben darauf vorgeschlagen, zur Abhilfe quer zu lüften, indem wir die oberste Fensterreihe und die Eingangstür zum Schulzimmer öffnen. Doch die Einheimischen konnten nicht verstehen, dass es eine so einfache Lösung statt komplizierte Lösung gibt.»

 Unterschiedliche Erfahrungswelten oder kulturelle Unterschiede waren omnipräsent und die Faszination für das Andere ist ein Grund, um sich auf ein solches Abenteuer einzulassen. Wir tauschen kurz eigene Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Menschen in Afrika aus. Monika nennt Beispiele: sei es der Bus zum Unterricht oder die Buchung von Unterkünften. Immer wieder war etwas nicht organisiert oder wenn, dann allenfalls für uns «Privilegierte» aus dem Norden.

Und gleichzeitig erzählt sie von talentierten jungen Menschen mit viel Potenzial, die kaum Chancen haben, ihre Talente zu entfalten und zu nutzen. «Es war eindrücklich zu sehen, dass man in einem riesigen Land ist, dessen Menschen eine Fülle unterschiedlicher Sprachen und Dialekte sprechen. Die meisten verstehen sich nicht untereinander und dennoch sind alle Teil einer Nation.» Das macht ein Zusammenleben zusätzlich anspruchsvoll.

Nach der Theorie-Woche ging es schliesslich aufs Land. Nach zig Checkpoints, 350 km Strecke und zehn Stunden Fahrt auf Strassen, wie man sie hier nicht kennt, sind die Kursteilnehmenden in «Welkite» angekommen. Rund die Hälfte der Studierenden hat sich auf diese Reise begeben, die andere Hälfte ist auf dem Campus geblieben und hat die PV-Anlage konzipiert, die es zu realisieren galt.

Vor Ort stand das Material für den Bau der Anlage bereit. Es galt, diese von Grund auf zu realisieren und in einen betriebsfertigen Zustand zu bringen, was nicht zuletzt dank der Improvisationstalent der Einheimischen auch weitgehend gelang. Da haben die vorgebohrten Löcher zwar nicht immer zum Plan gepasst. Es musste deshalb auch mal ausserplanmässig geschweisst werden; die notwendige Schweiss-Anlage war einen halben Tag später auf Platz. «Alles dauert ein bisschen länger», so Monika. Und das Graben der Fundamente im harten Boden – unter dem Zenit der Sonne – ist ihr in schweisstreibender Erinnerung geblieben.

Was bleibt, auch mit Blick auf ihre Laufbahn als Ingenieurin, will ich wissen. «Wir sind in- und ausserhalb der Schule die Exoten gewesen, das spürt man. Gleichzeitig ist es ein gutes Gefühl, Ingenieurin zu sein. Wir sind wichtig. Ich spüre die Verantwortung und manchmal auch die Last. Doch wenn etwas funktioniert und die Leute dankbar sind, dann ist das ein belohnendes Gefühl – die Bestätigung, das Richtige zu tun.» 

Und es bleiben Eindrücke und Erinnerungen an eine Zeit mit Essen, das in erster Linie scharf war und in der sogar die biologische Pause geplant und durchdacht werden musste. «Ich bin dankbar für diese «augenöffnende» Erfahrung, denn es hat meinen Wissenshorizont in vielerlei Aspekten erweitert. Die Dankbarkeit für das privilegierte Dasein bekommt einen neuen Stellenwert. Es ist so etwas wie Dankbarkeit für ein «schweres Luxusleben», das auch seine eigenen – wenn auch ganz anderen – Herausforderungen mit sich bringt.