Vorkonfektionierung im Gewerk Elektro

Vorkonfektionierung im Gewerk Elektro

Im Rahmen eines exemplarischen Projekts sollten die Umbauzeiten einer Supermarkt-Filiale verkürzt werden. Die Vorkonfektionierung im Gewerk Elektro wurde als mögliches Potenzial identifiziert und im Pilotprojekt «Umbau Migros SM Oberengstringen» umgesetzt. Dass man am konkreten Beispiel neue Wege gehen kann, bedingt die Bereitschaft aller Beteiligten. Denn nicht nur die Planer und Unternehmer sahen sich mit neuen Prozessen konfrontiert. Die Auftraggeberin Migros Zürich war gefordert, frühe Entscheide zu fällen und offen für neue Lösungen zu sein.

Meisterliche Zusammenarbeit auf neuen Pfaden

Der Faktor Zeit spielt beim Umbau einer Migros-Filiale die entscheidende Rolle. Unterbrüche sollen möglichst kurz ausfallen, was die Gewerks-Verantwortlichen regelmässig unter Druck setzt, vom Planenden bis zu den Ausführenden auf der Baustelle. Deshalb ging man bei der Filiale in Oberengstringen neue Wege. Das Stichwort heisst Vorkonfektionierung, und auch mit Blick auf die Digitalisierung in der Bau- und Planerbranche nahm man damit ein Stück Zukunft vorweg.

Die Aufraggeberin, die Genossenschaft Migros Zürich, setzte darauf, dass vor Ort möglichst viel «gesteckt» werden kann. Damit sollen die Arbeiten zügig vorankommen. Was einfach tönt, bedingt primär eines: Menschen, die gemeinsam neue Wege gehen wollen. Roland Bodenmann, Senior Consultant der HHM Gruppe meint: «Der Schlüssel zum Erfolg ist eine Veränderung des herkömmlichen Planungs- und Ausführungsprozesses und vor allem eine durchdachte Avor des ausführenden Elektrounternehmens.»

Die Prozesse sind entscheidend

An diesem Morgen, an dem sich die Bauherrschaft mit dem ausführenden Elektrounternehmer und den verantwortlichen Elektroplanern von HHM zum Debriefing trifft, fällt schnell auf, dass man die Freude am Ergebnis teilt. Es ist offensichtlich, dass die Beteiligten die guten Erfahrungen und die Erkenntnisse für nächste Vorhaben weiterentwickeln wollen. Gleichzeitig wird aus den Ausführungen ersichtlich, dass ein Handbuch allein für unerfahrene Beteiligte kaum einen Nutzen hat. Denn das neue Vorgehen war vor allem auch in prozessualer Hinsicht einschneidend; es ist keine statische Geschichte, wie einer der Beteiligten anmerkte.

Der eigentliche Paradigmenwechsel fand in sehr viel früheren Entscheiden statt. Der planerische Vorlauf und damit einhergehende Entschlüsse zu Layouts oder Produkten erfolgten mit einem Vorsprung von rund sechs Wochen – das im Vergleich zu konventionellem Vorgehen. Nehmen wir das Beispiel Notleuchte: Bereits in der Ausschreibung wird die vorgefertigte Komponente so erfasst, dass sie vor Ort nur noch durch eine statt durch drei Hände gehen muss. Damit verbunden ist auch ein Systementscheid für ein Stecksystem, das auf andere Filialen skaliert werden kann. Und dazu gehört weiter ein verantwortliches Unternehmen, das die Vorkonfektionierung übernimmt. Zwei Bedingungen müssen rückblickend für eine erfolgreiche Umsetzung von Vorkonfektionierungen erfüllt sein:

Gemeinsam Verantwortung für die Idee tragen

Dass die Migros Zürich zudem Antworten in Bezug auf die Langlebigkeit der Bauteile und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen einfordert, ist selbstverständlich. Dazu gehören Aussagen darüber, wo oder bei wem die Vorkonfektionierung idealerweise geschieht und wer Garantien für solche Komponenten verantwortet oder ob sich eine Steckverbindung langfristig bewährt. Mit Verweis auf die Industrielösung, die höheren Standards zu genügen hat, darf davon ausgegangen werden, dass sich daraus kaum ein Problemfeld eröffnet.

Dass die Platzierung von Racks bei den Kassen im Deckenbereich erfolgen konnte, war ein Novum und forderte Flexibilität von den IT-Verantwortlichen. Streben die Beteiligten gemeinsam nach dem Ziel, in kürzerer Zeit bei gleichbleibenden Qualitätsansprüchen und tieferen Kosten zum Ergebnis zu kommen, dann sind dieses Miteinander und die Bereitschaft, von Bisherigem abzuweichen, entscheidend. Die planerischen Möglichkeiten und die Digitalisierung finden ihre Meister selten auf der technischen Seite, sondern bei den Projektbeteiligten, die bereit sind, mit dem Blick fürs Bessere neue Prozesse umzusetzen.

Der Anfang ist gemacht

Wer heute durch die umgebaute Filiale geht und aufmerksam die Technik im Deckenbereich begutachtet, erkennt einen Grundraster, der straff mit allen Haustechnikgewerken und auf die Bedürfnisse der Vorkonfektionierung koordiniert wurde. Es wird gesteckt, wo etwas gesteckt werden kann. Und auch im Bereich der Kommunikationslösungen werden, wo möglich, Schnittstellen vermieden und Kabel direkt zum Gerät geführt. Ab welcher Grösse die Vorkonfektionierung sinnvoll ist und welche anderen Rahmenbedingungen entscheidend sind, kann pauschal schwer beantwortet werden.

Als erstes Fazit wird festgehalten, dass der Planungsvorsprung entscheidend ist. Ein Unternehmer, der erstmals mit dem Prozess konfrontiert ist, muss begleitet werden. Christoph Köchli von HHM war sich zu Beginn ebenfalls nicht sicher, ob die Installation nicht teurer wird. «In der Gesamtrechnung zeigte sich aber, dass eine steckbare Installation sogar günstiger ist und in erster Linie Vorteile bietet.» Effizienz soll sich positiv auf die Kosten auswirken, das ist ein treibender Grund neben der Qualität, die trotz Zeitersparnis hochgehalten werden soll. Beides gelang in diesem Fall.

Weitere Informationen: Christoph Köchli, HHM Aarau

Wir nutzen Cookies, um unsere Webseite nutzerfreundlich zu gestalten und zu verbessern. Durch den weiteren Besuch der Webseite erklären Sie sich mit dem Einsatz dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutz